Die letzten 2 Tage ging’s zu einem kurzen Abstecher nach Rügen. Dank der neuen Ostseeautobahn A20 kann man von Schwerin aus nun in ca. 1,5-2h auf Rügen sein. Wenn dann auch noch mal die neue Strelasund-Rügenbrücke fertig ist (soll noch dieses Jahr eröffnet werden), könnte man theoretisch in knapp 3h am Kap Arkona sein. Wenn man bedenkt, dass das früher mal 6h gedauert hat, hat sich da in Sachen Strassen schon einiges geändert. Allerdings sind dann auf Rügen nach wie vor zu viele Autos unterwegs, so dass es immer noch einige Staus auf den Hauptstrassen zu bestimmten Orten gibt.
Allerdings zocken die Rüganer die Touristen mittlerweile ordentlich ab. Überall darf man Parkgebühren zahlen. Auch an unserer ersten Station dem Kreidefelsen “Königstuhl” im Jasmunder Nationalpark wurden uns pro Person 6€ abgenommen. Seit meinem letzten Besuch hat sich der Preis damit mehr als vervierfacht. Damals kostete der Zutritt zum Königsstuhl noch 2,50DM(!). Damals hatte ich mich schon geweigert das zu bezahlen, nur um auf einem blöden Felsen zu stehen. Diesmal habe ich den Eintrittspreis zwar gezahlt, aber man kriegt nicht wirklich viel dafür. Zwar hat man inzwischen einiges getan z.B. eine kleine Ausstellung mit Filmvorführung zum Thema, aber sonst gibt’s außer dem üblichen Souveniershop, einem Bistro und natürlich dem Felsen nix. Das nächste Mal verzichte ich wieder darauf und schaue mir den Kreidefelsen entweder von unten vom Strand oder von “Victoriasicht” (Aussichtspunkt mit Blick auf Königsstuhl) aus an. Dabei muss man sich zwar etwas bewegen, aber dafür ist es (noch) umsonst.
Als wir morgens losgefahren sind, wussten wir noch nicht, ob wir abends wieder zurückfahren oder eine Nacht auf Rügen bleiben. Eine Recherche im Internet am Abend vorher ergab, dass es durchaus noch freie Zimmer, Ferienwohnungen oder Appartements auf der Insel gab, aber die Preise waren der Saison entsprechend meist recht hoch (50-80€ pro Person). Also beschlossen wir, uns auf unserer Fahrt über Rügen umzuschauen, wobei wir aber nicht all zu viel Zeit dabei verschwenden wollten. Es gab wirklich viele “Zimmer frei”-Schilder an den Häusern zu sehen, also standen unsere Chancen wohl nicht schlecht. Das erste für uns in Frage kommende Angebot was wir entdeckten war ein Schild mit dem Hinweis “Appartement für 30€”. Also nix wie hin und nachgefragt. Allerdings stellte sich heraus, dass es nur für 3 Tage zu haben war und 80€ pro Tag kostete. Ok, nächster Versuch. Und der bescherte uns nur wenige 100m weiter in dem kleinen Örtchen Lohme einen Volltreffer. Wir entdeckten ein Schild mit “Zimmer frei” an einem älteren Haus und fragten dort nach. 35€ mit Frühstück für ein kleines Zimmer. Schnäppchen!!!!! Es gibt sie also doch, auch in der Hauptsaison! Die Oma, die es vermietete, wollte es zwar auch nur für mind. 3 Tage abgeben, aber nach einigem Ningeln hat sie uns es dann doch für nur eine Nacht überlassen. Ok, sehr anspruchsvoll durfte man nicht sein, denn es war ein sehr kleines Zimmer mit zwei Betten und sogar TV und einem kleinen Bad mit Dusche. Zum Duschen musste man allerdings für 6 Minuten warmes Wasser 1€ in einen grauen Kasten an der Wand schmeißen. Naja bei der NVA musste man in 3 Minuten Duschen und diese Fähigkeit konnte ich hier nun wieder unter Beweis stellen. So konnte Caro dann 9 Miuten duschen. Frauen brauchen ja immer etwas länger!
Das Mobiliar war definitiv noch aus DDR-Zeiten oder älter. Das Zimmer wurde zwar nach der Wende schon mal renoviert, aber nur mit aller billigsten Baumarktmaterialien. Es müffelte zwar etwas (waren wohl die alten Möbel), aber es war sauber. Das Frühstück war abgezählt. Jeder Tisch, und davon gab es drei, bekam 4 Brötchen, Butter, Marmelade, die für genau 2 1/2 dünn bestrichene Brötchen reichte, etwas Wurst und Käse und eine grosse Kanne Kaffee.
Knallhart kalkulierter Preis!!! Aber 35€ für zwei Personen (mit kleinen Ansprüchen) ist mehr als fair!
Nachdem wir unsere Unterkunft organisiert hatten, gings zum Kap Arkona, dem nördlichsten Punkt der Insel (und der früheren DDR). Hier haben wir uns unsere Mountainbikes geschnappt und sind etwas die Steilküste entlang gefahren. Es gab einen richtig coolen Trail der teils durch Büsche und Bäume immer nah an der Kante entlang ging. Den muss ich unbedingt nochmal ausprobieren, wenn nicht so viele langsame Touris rumfahren und man etwas schneller fahren kann. Es gibt dort auch alle paar 100 Meter Zugänge zum Strand, wo man, wenn man Glück hat, teilweise relativ alleine sein kann. Wir haben ein solches Stück Strand gefunden, wo nur wenig Leute waren, und uns mal ‘ne Stunde in die Sonne gelegt.
Am 2. Tag gings erst nach Prora zu dem 4,5km langen “KdF”-Gebäude, dann zum Promenadenbummel nach Binz, weiter zu einem kurzen Abstecher nach Sellin und zum Mittagessen nach Thiessow. Von dort aus fuhren wir über schöne fast tunnelartige Alleenstrassen zwischen Putbus und Garz zurück zum Festland. Wir nutzten den Nachmittag noch zu einem Bummel durch Stralsund, das eine sehr schöne wiederhergerichtete Altstadt hat.
Panoramabild